Beschwerden beim Wasserlassen durch eine vergrößerte Prostata

Die normalerweise kastaniengroße Vorsteherdrüse (Prostata) liegt ringförmig um den hinteren Teil der Harnröhre zwischen dem Blasenhals und dem Harnröhrenschließmuskel im Beckenboden. Aus unterschiedlichen Gründen kann die Vorsteherdrüse ab dem 35. Lebensjahr wachsen. Die Größenzunahme ist erst nach dem 50. Lebensjahr so ausgeprägt, dass sie die hintere Harnröhre abdrücken und den Harnabfluss blockieren kann. Dies äußert sich als abgeschwächter Harnstrahl mit Nachtröpfeln und häufige-rem Blasenentleeren, besonders nachts (Nykturie). Oft kommt es auch zu starkem Harndrang, der schlecht beherrscht werden kann. Es kann aber auch als plötzliches Ereignis eine Harnsperre auftreten (z.B. nach Alkoholgenuss). Eine chronische Blasenentleerungsstörung mit Restharn führt zu einer zunehmenden Überdehnung und bindegewebigen Umwandlung des Blasenmuskels (sog. Balkenblase) und zur Bildung säckchenartiger Ausstül-pungen (Divertikel). Hinzu kommen fallweise noch Infektionen oder sogar Blasensteine. Möglich sind auch Blutungen aus der Prostataregion (Varizen). Im fortgeschrittenen Stadium kann es dann sogar zur Überlaufblase und zum Rückstau des Urins bis in die Nieren kommen, mit der Folge einer Störung des Wasserhaushaltes bis zur Harnvergiftung.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Entweder lässt eine medikamentöse Behandlung in Ihrem Fall keine dauerhafte Besserung der Beschwerden mehr erwarten oder Sie können oder möchten keine Medikamente zur Therapie der obstruktiven Prostatabeschwerden einnehmen. Da Sie invasivere und Nebenwirkungsträchti-gere Operationen (Prostataresektion durch die Harnröhre, Laserbehandlung, Hyperthermie und offene Prostataent-fernung) ebenfalls vermeiden möchten, wird Ihnen deshalb die Implantation von insgesamt 2-4 UroLift-Retraktoren in die Prostata empfohlen. Die UroLift®-Implantate weiten die verengte Harnröhre im Bereich der Prostata mechanisch. Diese minimal invasive Methode hat sich in den meisten Fällen bewährt. Da die Prostata über die Jahre weiterhin an Größe zunehmen kann, können bei jeder Theraoie der gutartigen Vergrößerung wieder obstruktive Beschwerden auftreten. Die UroLift®-Implantation verbaut auch in diesem Fall keine weiteren Therapieoptionen und kann sogar erneut durchgeführt werden.

Abb. 1: Vereinfachte schematische Darstellung

Wie wird der Eingriff durchgeführt?

Bei dem UroLift®-Verfahren handelt es sich um einen minimalinvasiven Eingriff, der ambulant durchgeführt wird und ein geringes und harmloses Nebenwirkungsspektrum aufweist. Das Verfahren führt oft fast unmittelbar zu einer Verbesserung der vorbestehenden Miktionsbeschwerden. Eine Katheteranlage ist im Normalfall nicht notwendig. Alle verwendeten Materialien werden schon seit Jahrzehnten bei operativen Verfahren angewendet. Neu ist die Verwendung zum Aufweiten der prostatischen Harnröhre.
Vor der Behandlung erhalten Sie ein schmerzstillendes Mittel. Eventuell kann auch ein schmerzstillendes Medikament in die Blase instilliert werden, falls keine anderen Medikamente gewünscht werden.

Eine Blasenspiegelung wird durchgeführt: (s. Abb. 1)
Im verengten Anteil der prostatischen Harnröhre werden mit sterilen UroLift®-Einmal-Applikatoren die UroLift®-Implantate durch einen Hohlnadelmechanismus eingebracht. Der äußere Titan-Clip des Implantates verankert sich dabei automatisch außerhalb der Prostatakapsel. Mittels eines weiteren in der Harnröhre verankerten Titan-Clips wird der verbindende Faden unter leichte Spannung gesetzt und der überschüssige Anteil entfernt. Das Implantat komprimiert die Prostata dabei ausreichend um die verengte Harnröhre wieder auszuweiten. Je nach Prostatagröße und Beschaffenheit sind zwei oder vier Implantate notwendig um die gewünschte Wirkung zu ent¬falten. Weder der äußere noch der innere Schließmuskel werden bei diesem Verfahren tangiert. Bei dem Eingriff können die für eine Blasenspiegelung üblichen Beschwerden, wie Harndrang, Druck und leichte Schmerzen auftreten. Die Implantationen werden, bei geringer Innervation der Prostata üblicherweise gar nicht bemerkt. Eventuell auftretende Schmerzen können wirkungsvoll durch zusätzliche Gaben schmerzstillender Mittel minimiert werden. Ein Anästhesist ist je nach Absprache vor Ort. Eine Vollnarkose ist nicht notwendig und nicht sinnvoll. Die eigentliche Behandlung dauert ca. 10-20 Minuten.
Anschließend erhalten Sie Verhaltensregeln und einen Ter-min zur Kontrolluntersuchung. Sie sollten das bereits seit dem Vortag eingenommene Antibiotikum für ca. 5 weitere Tage einnehmen. Halten Sie sich dabei bitte an alle Anweisungen des Arztes.

Wie sind die Erfolgsaussichten?

Die vorher gestörte Blasenentleerung ist durch den Eingriff in den meisten Fällen wesentlich verbessert. Beschwerden wie Drang, Brennen, Nachtröpfeln und nächtliches Wasserlassen werden meist positiv beeinflusst. Der Harnstrahl kann deutlich kräftiger werden. Ein vorheriger Restharn nimmt meist ab.

Wird diese Therapie von Krankenkassen übernommen?

Wie viele andere medizinische Verfahren wird auch diese Methode nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen und ist eine Selbstzahlerleistung. Ob Ihre Krankenkasse, ggfls. auf Ihren Antrag, bereit ist die Kosten ganz oder teilweise zu übernehmen, sollten Sie unbedingt im Vorfeld klären. Von privaten Krankenversicherungen wird diese Behandlungsmethode im Allgemeinen vollständig übernommen. Auch hier ist eine vorherige Rücksprache mit der Versicherung (wie immer) sinnvoll.


Alle Bilder, Texte etc. mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung der neotract, Inc.